Selektivverträge und MVZ

Extra mit Potential

In der Ausgabe 12/15 der Fachzeitschrift f&w – führen und wirtschaften im Krankenhaus – wurde ein interessanter Artikel zum Selektivverträge und besondere Versorgungs-formen veröffentlicht.
Der Autor ist Herr Daniel Friebe, Geschäftsführer der IVM plus GmbH.
Diese hat sich, seit ihrer Gründung im Jahre 2008, voll und ganz der Versorgung von Patienten im Rahmen Integrierten Versorgung verschrieben und schließt somit die Lücke zwischen ambulanter und stationärer Versorgung.
Viele niedergelassene operativ tätige Ärzte, Medizinische Versorgungszentren und Krankenhäuser kooperieren bereits in diesem Rahmen mit der IVM plus GmbH. Durch diese Zusammenarbeit können Eingriffe mit stationärem Charakter durchgeführt und ein Krankenhausaufenthalt vermieden werden.
Mehr zu diesem Thema erfahren Sie in dem folgenden Artikel oder in der Ausgabe 12/15 der Fachzeitschrift f&w – führen und wirtschaften im Krankenhaus.

 

Selektivverträge und MVZ

Extra mit Potenzial

Verträge über besondere Versorgungsformen sind aufwendig, anspruchsvoll und mitunter Vorurteilsbehaftet. Warum sie sich für Kliniken und ihre MVZ trotzdem lohnen können, beschreibt unser Autor.

Von Daniel Friebe

Mit dem Ende der Anschubfinanzierung im Jahr 2008 ist die Bedeutung von Selektivverträgen gesunken. Viele Projekte wurden eingestellt, und der effektive Nutzen der Integrierten Versorgung (IV) wurde in Frage gestellt.
Mit dem seit dem 23. Juli 2015 in Kraft getretenen GKV-Versorgungsstärkungsgesetz (GKV-VSG) sollen nun besondere Versorgungsformen wieder verstärkt Aufmerksamkeit finden.
Besondere Versorgungsformen (früher auch IV genannt) gibt es nun schon seit über zehn Jahren. Einige Projekte konnten sich trotz der fehlenden Anschubfinanzierungen erfolgreich durchsetzen.
Eines ist allerdings im Laufe dieser Zeit deutlich geworden: Der Anspruch und die Komplexität an solche Verträge wurden immer höher, und Prüfungen des Bundesversicherungsamtes (BVA) verschärften die Situation zusätzlich.

Zur Erstellung eines Selektivvertrages muss man nicht nur zur richtigen Zeit die richtige Krankenkasse ansprechen (Selektivverträge sind Kann-Verträge), sondern es sind auch eine Vielzahl an weiteren Anforderungen zu beachten. Grundsätzlich sollte man dabei den Blickwinkel einer Krankenkasse nie aus den Augen verlieren. So muss das Gesamtkonzept stets Versichertenbezug, Servicequalität, Imagesteigerung und zugleich Kostensenkung miteinander vereinen. Idealerweise sollten zur Vermeidung eines „Gießkannenprinzips“ die Angebote eine genaue  Zielgruppe definieren, allerdings auch nicht nur eine Mikro-Gruppe ansprechen. Neben weiteren Ansprüchen wie die Einhaltung des Datenschutzes, eine elektronische Datenübertragung, die Bereitstellung von Ressourcen (wie Mitarbeiter und Software) und eine unabhängige Evaluation muss der Vertrag vor allem den kritischen Augen des BVA Stand halten. Ist dies alles gegeben, finden gemeinsame Preisverhandlungen  statt, um für alle Beteiligten die gewünschte Win-win-Situation zu erzielen. All diese genannten Aspekte sind nur ein grober Auszug des gesamten Konstrukts und erfordern einen erheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwand.

Gleichauf mit Krankenhäusern

Dass Verträge über besondere Versorgungsformen momentan hauptsächlich im ambulanten Sektor aufzufinden sind, hat folgende Gründe: Der medizinische Fortschritt ermöglicht eine hochspezialisierte, patientenorientierte Medizin, weshalb diese von schonenden, innovativen Verfahren profitieren können und lange Verweildauern bei vielen Krankheitsbildern nicht mehr notwendig sind.
Moderne Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und Praxiskliniken haben sich diesem Trend angenommen und stehen mit den Krankenhäusern in Bereichen wie Hygieneanforderungen, Technik, Ausstattung oder innovativen Versorgungsformen gleich auf oder haben sie sogar überholt. Das Problem hierbei ist, dass der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM) diesem Trend leider nicht so schnell folgen kann und eine wirtschaftliche Leistungserbringung über den EBM kaum noch darstellbar ist. Für dieses Defizit bieten Selektivverträge die Möglichkeit, hochwertige medizinische Leistungen außerhalb von Budgetierungen und Erlaubnisvorbehalten zu erbringen, um so für nahezu jeden Patienten die passende Behandlungsmethode zu wählen und für diese auch eine leistungs- und qualitätsbezogene Honorierung zu erhalten.
Über 40 Prozent der bestehenden MVZ binden ein Krankenhaus als Träger mit ein. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass vor allem auch Krankenhäuser das Potenzial solcher Verträge für ihre MVZ herausfiltern sollten.
Dass IV-Verträge das Ziel verfolgen, den ambulanten Versorgungsbereich zu stärken, ist nicht von der Hand zu weisen. Jedoch sind diese zusätzlich bestrebt, die Barrieren zwischen dem stationären und ambulanten Sektor abzubauen. Hier passt sich diese „Zwischenbranche“ dynamisch den aktuellen Gegebenheiten des Gesundheitswesens an, und Krankenhäuser werden, nicht nur als Träger von MVZ, als potenzielle Kooperationspartner immer interessanter. Barrieren wie der Erlaubnisvorbehalt existieren hier zwar nicht, allerdings werden neue innovative Eingriffe, die meist auch hohe Materialkosten mit sich bringen, verstärkt durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) geprüft. Als Kooperationspartner im Rahmen eines Selektivvertrages entfallen diese Prüfungen. Eine finanzielle Planungssicherheit durch fixe Preise, welche auch im stationären Sektor außerhalb der Budgetplanung laufen, lässt eine wesentlich effektivere Handlungsweise zu.

Auch wenn viele Krankenhäuser Selektivverträgen derzeit misstrauisch gegenüberstehen, weil sie die Wahlfreiheit der Patienten einschränken oder weitere Vorurteile vorhanden sind, müssen sie sich in Zukunft mit diesem Thema auseinander setzen. Das Ziel des DRG-Systems war und ist es, mehr Transparenz zu schaffen, die Wirtschaftlichkeit zu fördern, Ressourcen bedarfsgerecht und effizient einzusetzen und den Wettbewerb zu verstärken. Nicht wirtschaftliche Krankenhäuser werden und sollen es in der Logik des DRG-System auch zukünftig im Wettbewerb schwer haben. Nur Institutionen, die ökonomisch handeln und innovativ denken, werden im System bestehen. Selektivverträge sind hierbei ein effektives Instrument, um diesem Trend zu folgen.

Die Ansprechpartner der IVM plus finden Sie hier.